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Zusammenfassung

Es gibt Normen, die es zu beachten gilt, wenn eine Webseite gestaltet wird. Dazu zählt die User Experience und darin inbegriffen die Usability, die ebenfalls in einige Unterpunkte unterteilt wird. Sie dienen dazu, dem User eine möglichst gute Übersicht und Gebrauchstauglichkeit zu verschaffen, selbst wenn es sich dabei um unerfahrene oder behinderte User handelt. Zudem soll den Usern ein möglichst positives Gefühl beim Benutzen der Internetseite verschafft werden. Eine Webseite wird nicht mehr nur über Laptop- und Computerbildschirme betrachtet, die Nutzung des Internets über mobile Geräte wird immer wichtiger und nimmt stetig zu. Daher werden einerseits Webseiten und andererseits deren Gestalter / Programmierer mit unterschiedlichen Anforderungen konfrontiert.

Eine Webseite muss sich flexibel an verschiedene Bildschirme und Geräte anpassen können. Dabei sollte auch an die Geschwindigkeit des Internets gedacht werden: Bilder sollten eine geringere Dateigröße haben und es sollten möglichst wenig Skripte für das Benutzen der Webseite nötig sein. Das alles sind zwar keine Richtlinien zum Gestalten einer Webseite, dennoch liefern sie einige Rahmenbedingungen wenn es darum geht, eine Webseite für möglichst viele User und eine breite Zielgruppe bedienbar zu machen bzw. ihnen ein positives Erlebnis zu verschaffen. Daraus entstanden sind die, bei Kapitel 2.5 genannten, verschiedenen responsive Layouts, die sich etabliert haben und (in Variationen) oft verwendet werden. Grund für die Häufigkeit dieser Layouts bei Webseiten sind unter anderem Template Webseiten, die ebenfalls an Webdesignnormen angepasst sind und sich in ihrem Layout meist nicht verändern lassen. Zudem bietet es sich bei Content Management Systemen (CMS) an, ein einfaches Layout zu verwenden, da Inhalte besser in das bestehende Layout eingefügt werden können. Ein weiterer Faktor ist das oft fehlende Verständnis von HTML, CSS und JavaScript, nicht nur bei Gestaltern, wodurch öfter auf Templates zurückgegriffen wird. Das Zurückgreifen auf Templates und Standartlayouts muss jedoch nicht zwingend negativ sein, wie auch Boris Müller und Mary Collins sagen. Sie sehen gut aus, funktionieren und erfüllen ihren Zweck. Bloß individuell und aufsehenerregend wirken diese Webseiten nicht.

Aus dieser Erkenntnis heraus wurde von Pascal Deville die Webseite brutalistwebsites.com erstellt, die Webseiten sammelt, die aus diesem Rahmen fallen. Der Name dieses Stils ist eine Analogie zu dem Architekturstil aus den 1960er bis 1970er Jahren. Die Bezeichnung „Brutalism“ leitet sich aus dem französischen béton brut ab, was soviel wie „roher Beton“ bedeutet. Mit diesem Charakteristikum wird dieser Stil hauptsächlich assoziiert. Doch es gab einige weitere charakteristische Merkmale die ein brutalistsiches Gebäude ausgemacht haben. Denn sie hatten sich wiederholende Muster und geometrische Formen, waren ehrlich im Bezug zu den verwendeten Materialien, enthielten einen sozialen Gedanken und waren funktional. Eins der wichtigsten Charakteristiken war jedoch das vermittelte Gefühl der Bauwerke, welches jedoch nur schwer definiert werden konnte und als unbehaglich beschrieben wurde.

Die daraus abgeleiteten Kriterien für brutalistische Webseiten boten nur wenig Spielraum für das optische Design einer Brutalism Website, wodurch die Kriterien mit der Begründung der Konstruktion gelockert wurden. Dies bot ein breiteres Spektrum an Gestaltungsmöglichkeiten, aber beschrieb die ausgestellten Webseiten auf brutalistwebsites.com noch immer nicht. Für Pascal Deville ging es bei der Auswahl der ausgestellten Webseiten auch weniger um die optische Gestaltung, sondern eher um die Haltung und das Statement, welches sie setzen. Auch er bemerkte, dass die Webseiten dadurch einen hohen Grad an Individualität erlangten. Um die ausgestellten Webseiten trotz der hohen Individualität besser beschreiben zu können und um Ähnlichkeiten festzustellen, wurden Kriterien anhand optisch vergleichbarer Eigenschaften erstellt, die sich auf brutalistische Webseiten anwenden lassen. Anschließend wurden einige Webseiten, die zu diesen Kriterien passen beschrieben und analysiert. Zu guter Letzt wurde auf Fragen eingegangen, die sich mit dem Hintergrund und den Gedanken hinter den Webseiten beschäftigt haben.

Fazit

Um noch mal auf die zu Beginn gestellte Frage einzugehen, ob sich die architektonischen Stilmittel des Brutalism adaptieren lassen, kann gesagt werden, dass es zwar grundsätzlich möglich ist, diese in Bezug auf Webdesign anzuwenden. Allerdings erfüllen Webseiten, die bei brutalistwebsites.com zu finden sind, zum Großteil nicht diese Kriterien. Auch die Lockerung der Kriterien durch den Aspekt der gestalteten Konstruktion vieler brutalistischer Bauwerke sorgte nicht für übereinstimmende brutalistische Webseiten. Da die von Pascal Deville ausgestellten Webseiten weniger durch optische Aspekte als mehr wegen des Statements und der Haltung ausgewählt wurden, wurde versucht über einen anderen Weg ein Cluster zu erstellen. Dabei ging es weniger um die brutalistischen Architektur Merkmale, sondern eher um größtenteils optische Gemeinsamkeiten der verschiedenen Webseiten. Nachdem gemeinsame Eigenschaften identifiziert wurden, konnten brutalistische Webseiten beschrieben und analysiert werden. Trotz der optischen und technischen Überschneidungen gab es auch Überschneidungen, die weniger greifbar waren. Dazu zählt das Gefühl des Unbehagens, die Ironie und die Provokation, auf die man teilweise durch optische Gestaltungselemente schließen konnte.

Am häufigsten wird diese Art der Gestaltung für Portfolios genutzt, um sich eine individuelle und aussagekräftige Webseite zu erstellen, die sich von der Masse abhebt. Dies ist wichtig um Kunden bzw. Auftraggeber von gestalterischen Fähigkeiten zu überzeugen und um zu zeigen, dass man auch außerhalb von vorherrschenden Gestaltungstrends denken und arbeiten kann. Der Stil wird ebenfalls viel von beispielsweise Kunstausstellungen, Kunst- und Designhochschulen, Musikern, Modedesignern oder Systemdevelopern genutzt, um sich im Internet zu präsentieren. Außerhalb von diesen Kategorien wird der brutalistische Stil seltener genutzt. Auch kommerziell findet bzw. fand dieser Stil anklang. Jedoch sind einige kommerzielle Webseiten auf brutalistwebsites.com eher durch das vermittelte Gefühl brutalistisch, als durch optische Gestaltungselemente.

Durch Interviews, die mit einigen Gestaltern der Webseiten durchgeführt wurden, wurde darauf geschlossen, dass es einige wenige Webseiten gibt, die unabsichtlich in einem brutalistischen Webdesignstil und gegen die Norm gestaltet wurden. Demgegenüber gibt es viel mehr Gestalter von Webseiten, die sich bewusst dazu entschieden haben, eben keine Webseite zu kreieren, die nach Normen gestaltet wurde und die deshalb bewusst anders aussieht als das typische Templatedesign. Manchen Gestaltern geht es aber auch darum, ein unbehagliches Gefühl zu erzeugen, andere wollen wiederum, dass der User Spaß am Benutzen der Webseite hat.

Ebenfalls sollte die Frage beantwortet werden, ob es unbedingt nötig ist, die entsprechenden Normen zu kennen, um bewusst brutalistisch gestalten zu können. Am Beispiel von Guido Menzio wurde zwar deutlich, dass es möglich ist, mit einer unbewusst brutalistisch gestalteten Webseite bei brutalistwebsites.com ausgestellt zu werden. Da diese aber eher aus Unwissenheit und Spontanität so aussieht wie sie aussieht, sollte sie nicht unbedingt als brutalistisch betitelt werden können. Wenn es also tatsächlich um die Haltung und das bewusste Setzen eines Statements geht, wäre es nötig, bewusst gegen Regeln, Normen und Standards zu gestalten.

Um Interaktivität zu schaffen, wird meist die hover Funktion genutzt. Ansonsten sind Parallax Effekte ein häufig genutztes interaktives Stilmittel. Zudem werden gerne GIFs und Videos genutzt um Bewegung in eine Webseite zu bringen, ohne dafür einen Code erstellen zu müssen. Auch ungewöhnliche Schriften und der Einsatz von RGB Farben sind häufig eingesetzte Stilmittel. Ein schwarzer Hintergrund ist ein hilfreiches stilmittel wenn es darum geht, schnell ein unbehagliches Gefühl zu schaffen.

Die Gestaltung einer Webseite in einem außergewöhnlichen und individuellen Stiel macht also in vielen Bereichen Sinn, gerade wenn es darum geht sich selbst in Szene zu setzen und seinen Stil zu präsentieren oder wenn es darum geht eine Firma / Marke in ein besonderes und auffälliges Licht zu rücken. Es zeugt von Individualität und Kreativität. Es wird also gezeigt, dass um die Ecke gedacht werden kann und z. B. Funktionen auf eine andere Weise genutzt werden als beabsichtigt. Bei größeren Firmen / Marken darf aber der professionelle Aspekt nicht fehlen, denn die Seriosität und das vermittelte Vertrauen an den User, der sowohl Kunde oder Geschäftspartner sein kann, spielt eine wichtige Rolle. Nach dem Höhepunkt des Trends im Jahr 2017 wurden viele Webseiten, die sich an dem brutalistischen Stil orientiert haben, nach und nach umgestaltet oder aus dem Netz genommen. Die Nutzung von Templates oder Webseiten, die professionell nach Normen und Regeln gestaltet wurden, machen eben so viel Sinn, wie eine brutalistische Webseite, die eben nur für eine andere Zielgruppe kreiert wurde. Nicht jede Webseite muss außergewöhnlich gestaltet sein. Zeitungen, Fluggesellschaften, Banken usw. müssen nicht übermäßig auffällig sein. Sie sollten das Gefühl von Sicherheit und vertrauen erzeugen, kein unbehagliches Gefühl. Am Ende hängt es also immer von der Zielgruppe, aber auch vom Unternehmen / der Branche oder dem Beruf ab, wie man sich im Netz präsentieren sollte. Dennoch ist es auch wichtig, dass es in der Welt der Gestalter auch Individualisten oder Querdenker gibt, die außergewöhnliche, kreative Webseiten hervorbringen, für die sie eben kein Templates nutzen.